Der Morgentau wässert das Grün. Fotos: C. Sarazin

Grüne Gärten in trockenen Zeiten

Der Klimawandel bringt uns immer häufiger lange Trocken- und Hitzeperioden im Sommer. Alte Pflege-Gewohnheiten in den Gärten kommen an ihre Grenzen, das geliebte Grün wird zu staubigem Braun. Eine kleine Anekdote aus dem noch heißeren Ruhrgebiet zeigt uns, wie mit einem einfachen Trick die "Spielwiese" grün bleibt, Feuchtigkeit länger hält und verschiedenen Tieren einen Lebensraum schafft.

Mit dem September gleiten wir langsam vom Spätsommer in den Frühherbst. Doch nicht nur die Jahreszeiten wechseln, auch das Wetter zeigt sich - endlich - wieder von seiner nasseren Seite. Starke Hitze und Trockenheit haben der Landschaft zugesetzt.

Dies haben viele Menschen auch in ihren Gärten gespürt. Vor allem solche, die ihren Rasen gerne regemäßig gemäht sehen, konnten zum Teil beobachten, wie jener vertrocknete, das satte Grün sich in ein fahles Hellbraun verfärbte.

Ein Beispiel, wie dies auch anders geht, ohne auf ein gemähtes Grün zu verzichten, erreichte unser Vorstandsmitglied Diane Klüsener ausgerechnet aus dem Ruhrgebiet - was ja von noch stärkerer Hitze und Dürre geplagt war als unser Mittelholstein.

Wässern ohne zu gießen

Auch in Bochumer Gärten vertrocknete das gemähte Gras. In unserem Beispielgarten aber blieb es grün - und das ohne Rasensprenger. Der Trick: Man stellte den Rasenmäher so ein, dass das Gras weniger tief abgeschnitten wurde. Dadurch blieb mehr Pflanzenmaterial übrig, an dem sich morgens der Tau sammeln konnte, welcher widerum in den Boden gelangen und die Fläche bewässern konnte. Der etwas höhere Abstand zwischen Boden und Oberkante der Vegetation hält die Feuchtigkeit länger, die Fläche trocknete nicht so schnell aus.

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Win-win-win-Situation

Dieser einfache Trick bringt gleich dreierlei Vorteil: Erstens bleibt der Garten "schön grün", was den ästhetischen Anspruch der meisten Menschen an ihre regelmäßig gemähten Rasenflächen erfüllt. Zweitens hält sich die Feuchtigkeit länger im Boden und an den Pflanzen, verdunstet über den Tag langsamer und sorgt so für eine Kühlung der Umgebung. Drittens werden durch den vergrößerten Mähabstand vom Boden viele Tiere geschont, die ihrerseits andere ernähren und zum Teil wichtig für den Humusaufbau sind. Humus widerum speichert Kohlenstoff und hilft, Feuchtigkeit noch besser zu halten. Also eigentlich noch ein viertes "win"!

Rückzugsräume schaffen, Synergien nutzen

Ein Garten ist nicht nur ein Rückzugsraum für uns Menschen, sondern auch für viele verschiedene Tierarten. Der NABU empfiehlt, wo es möglich ist seltener zu mähen. In unserem Beispielgarten aus Bochum wurde erfreulicherweise auch dies umgesetzt: bestimmte Bereiche durften höher wachsen. Eine Vielzahl an Käfern, Spinnen, Heuschrecken und vielen weiteren Arten werden diese "Ruhezonen" dankbar angenommen haben.

Die Randzonen dieser selten gemähten Bereiche bremsen den Wind und beschatten den Boden, was der Wasserverdunstung wieder entgegen wirkt. Die positiven Effekte dieses Klima-angepassten Gärtnerns haben unsere Bochumer Familie so überzeugt, dass sie es nun ganz gezielt einsetzen. So darf nun z.B. das Gras nahe der Baumscheibe ihres Apfelbaumes höher stehen, Zitat: "damit da mehr Feuchtigkeit drin bleibt.. 😉".

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Fazit

Dieses Jahr hat uns mal wieder gezeigt, dass die Folgen des Klimawandels längst Wirklichkeit sind. Auch im noch vergleichsweise kühlen Schleswig-Holstein bleibt Regen lange Zeit aus, Hitzewellen lassen die Boden vertrocknen. Das oben ausgeführte Beispiel aus einer noch stärker betroffenen Region zeigt uns aber, dass wir diesen Folgen nicht hilflos ausgeliefert sind. Nur kleine, gezielte Anpassungen können viel ausmachen - und zugleich die Natur profitieren lassen.